10.08.2023
10.08.2023
Im Rahmen unseres Monitorings haben wir 14 641 im Jahr 2021 erschienene Publikationen ausgewertet. Sie sind aus der vom SNF geförderten Forschung hervorgegangen. Davon sind 77% frei zugänglich. 2020 betrug dieser Wert 63%.
Der Anteil der Publikationen, die in keiner Weise frei zugänglich sind, ging von 18% auf 12% im Jahr 2021 zurück. Alle drei Wege zu Open Access (OA) (siehe Kasten «Was ist Open Access?») verzeichneten einen Anstieg, wobei der «hybride Weg» mit 32% nun an der Spitze steht. 2021 kamen die von swissuniversities ausgehandelten Lesen & Publizieren-Verträge mit grossen Verlagen voll zum Tragen. Der «goldene Weg» wächst weiterhin in dem Tempo, das in der letztjährigen Analyse beobachtet wurde. An Bedeutung gewonnen hat ebenfalls der «grüne Weg», auf den nun 17% entfallen. Bei diesem Weg wird eine Zweitpublikation in einer öffentlichen Datenbank abgelegt. Die positive Entwicklung aller drei Wege zeigt, dass die Open-Access-Vorgaben des SNF und vieler Institutionen besser eingehalten werden.
Open Access (OA) oder freier Zugang bedeutet, dass eine wissenschaftliche Publikation für alle Interessierten weltweit kostenlos über das Internet verfügbar ist. Die Resultate aus SNF-Forschung müssen frei zugänglich sein. Wir übernehmen die Kosten dafür. Mit den drei Kategorien Gold, Grün und Hybrid erfüllen die Forschenden die OA-Verpflichtung.
Nach fünf OA-Monitoringrunden seit 2013 ist festzustellen, dass sich Open Access etabliert hat: Der Anteil frei zugänglicher Publikationen hat sich seither fast verdoppelt. Zwar hat der SNF sein Ziel, alle Publikationen aus SNF-geförderter Forschung frei zugänglich zu machen, noch nicht erreicht. Wir kommen diesem Ziel aber mit einer beispiellosen Steigerung um 14 Prozentpunkte gegenüber 2020 schnell näher.
Für 2021 war ein überraschend starker Rückgang in der Kategorie «Anderer OA» auf 11% zu verzeichnen. Zu dieser Kategorie gehören frei zugängliche Veröffentlichungen, die nicht in der letzten Version vorliegen, zum Beispiel Vorabversionen («Preprints»). Oder es fehlen Daten, mit denen sich die Veröffentlichungen einer spezifischeren OA-Kategorie zuordnen lassen, zum Beispiel wenn keine Angaben über die Version oder den Publikationskanal verfügbar sind. Wir hatten zwar bereits erwartet, dass diese Kategorie längerfristig an Gewicht verlieren würde, da sich die Publikationsinfrastruktur, die Suchdienste und die Metadaten im Allgemeinen verbessern. Dennoch ist der Rückgang um 8 Prozentpunkte von 2020 auf 2021 bemerkenswert.
Aufgegliedert nach Forschungsbereichen zeigen sich die auffälligsten Unterschiede der Kategorie «Anderer OA» in den Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW). Für das Jahr 2021 lag dieser Anteil bei 6%, gegenüber 33% im Vorjahr. Für ein detailliertes Verständnis dieser Verschiebung wären Analysen erforderlich, die den Rahmen des Monitorings sprengen würden. Die rasche, substanzielle Veränderung scheint jedoch mit den von swissuniversities ausgehandelten Lesen & Publizieren-Verträgen zusammenzuhängen. Damit haben sich Publikationen, die zuvor nur in schwer auffindbaren anderen OA-Kategorien verfügbar waren, in die hybriden OA-Kategorien verlagert. Diese machen nun mit 35% aller Publikationen im GSW-Bereich den grössten Anteil aus.
Der freie Zugang für interessierte Lesende ist ein zentrales Element des Open-Access-Gedankens. Das gilt auch für das Recht, Publikationen zu nutzen, damit zu arbeiten und daraus etwas Neues zu schaffen, wobei das Werk ordnungsgemäss den ursprünglichen Urhebern zuzuschreiben ist. Im Jahr 2022 schloss sich der SNF der cOAlition S an und überarbeitete sein OA-Reglement. Für bewilligte Förderbeiträge mit Einreichung des Gesuchs ab dem 1. Januar 2023 müssen alle resultierenden Publikationen die Creative-Commons-Lizenz CC-BY haben (siehe Kasten «Was sind Creative-Commons-Lizenzen?»). Diese erfordert die Nennung der Forschenden als Urheber:innen und erlaubt gleichzeitig eine möglichst breite Nutzung.
Für Publikationen, die als Ergebnis von SNF-geförderter Forschung im Jahr 2021 erschienen sind, verlangte der SNF noch keine Lizenz. Trotzdem haben wir die verfügbaren Daten über die verwendeten Lizenzen ausgewertet, um in Erfahrung zu bringen, ob die ab 2023 geltenden Vorgaben eine Herausforderung darstellen könnten. Bereits 2021 wurden freiwillig 44% aller wissenschaftlichen Artikel unter einer CC-BY-Lizenz veröffentlicht. Die restriktivste Creative-Commons-Lizenz CC-BY-NC-ND liegt mit 14% und deutlichem Abstand erst an dritter Stelle. Auch hier spielen die nationalen Lesen & Publizieren-Verträge eine wichtige Rolle, da sie standardmässig CC-BY-Lizenzen verlangen. Dies führte automatisch zu einem höheren Anteil solcher Publikationen auch bei SNF-geförderter Forschung.
Unsere Analyse hat also gezeigt, dass CC-BY bereits 2021 die am häufigsten verwendete Lizenz für Artikel aus SNF-geförderter Forschung war. Daher ist es realistisch, dass sie ab 2023 zum Standard wird. Allerdings ist auch festzustellen, dass die Angaben zu den Lizenzen bei weitem nicht vollständig waren, sondern bei 35% der Publikationen fehlten. Für dieses Monitoring ist das ein geringfügiges Problem, für die breite Nutzung wissenschaftlicher Artikel jedoch ein relevantes Hindernis. Wenn maschinenlesbare Lizenzangaben fehlen, verunmöglicht dies eine rechtmässige Nutzung moderner Technologien zur Analyse einer grösseren Zahl wissenschaftlicher Publikationen. Dies betrifft auch die vieldiskutierten aktuellen Entwicklungen rund um die Künstliche Intelligenz (KI). In Anbetracht der raschen Fortschritte im Bereich der «anderen OA» dürften sich die Metadaten zu den Lizenzen längerfristig ebenfalls verbessern. Die Bedeutung dieses scheinbar nebensächlichen Aspekts sollte nicht unterschätzt werden. Der volle Nutzen von Open Access kommt nämlich nur zum Tragen, wenn rechtlich gewährleistet ist, dass veröffentlichtes Wissen optimal und kreativ verwendet werden kann.
Open-Access-Publikationen sind frei zugänglich, aber selbstverständlich ebenfalls urheberrechtlich geschützt. Die Forschenden besitzen als Urheber:innen die Rechte an ihren Werken. Sie gewähren Nutzern wie Verlagen oder der Öffentlichkeit bestimmte Rechte zur Verwendung ihres Werks im Rahmen des Urheberrechts. Creative Commons ist eine gemeinnützige Organisation. Die von ihr entwickelten Lizenzen haben zum Ziel, den Umgang mit Urheberrechten im digitalen Zeitalter zu vereinfachen. Zur Auswahl stehen sechs Arten von Lizenzen, die klar festlegen, wie die Nutzer eine Publikation verwenden dürfen.
Ausführliche Informationen zu den einzelnen Lizenzen sind auf der Website von Creative Commons zu finden.
Daten, Text und Code dieser Datengeschichte sind auf Github verfügbar und auf Zenodo archiviert.
DOI: 10.46446/datastory.oa-monitoring-2021